26 Jahre gemeinsames Lernen

Am 17. Dezember 1997 haben wir beschlossen, dass wir jetzt offiziell zusammen sind. Aber eigentlich war es in den Wochen davor schon klar. Wir klebten zusammen und es war schwer, uns auseinander zu bekommen. So schwer, dass ich manchmal erst deutlich nach Mitternacht nach Hause kam. Dass ich in der Schule trotzdem wach geblieben bin, muss daran gelegen haben, dass ich einen großen Schwarm quicklebendiger Schmetterlinge im Bauch hatte.

Ja, genau. Ich ging noch zur Schule. 12. Klasse. Dirk mit seinen fünfeinhalb Jahren Lebenserfahrung mehr hatte schon ein Diplom in der Tasche. Manches Mal hat mein Vater vielsagend gegrinst, wenn ich erzählte, dass wir zusammen Mathe gelernt haben. Es stimmte aber. Am Ende bekam ich – auch durch die Gnade der Lehrerin – eine vier auf dem Zeugnis. 

Das gemeinsame Lernen ist etwas, das wir in den vergangenen 26 Jahren nie ver-lernt haben. Wir paukten zusammen für mein Latinum, das ich mit Ach und Krach schaffte, wir lernten, mit unseren Unterschieden zu leben. Wir lernten, dass wir nicht alles zusammen machen müssen und dass wir gemeinsam ein starkes Team sind. Wir stritten oft. Es waren harte Jahre dazwischen, in denen wir wieder gemeinsam lernen mussten.

Eine Sache, die ich in den 26 Jahren gelernt habe, ist das Portraitmalen. Hier habe ich Dirk zu unserem 26. Jahrestag portraitiert.

Wir lernten, über unsere Bedürfnisse und Wünsche zu sprechen und uns wieder zu vertragen. Ich musste lernen, meine Emotionen zu zügeln und Dirk musste lernen, seine zu zeigen. Wir lernten, Schwierigkeiten ins Auge zu sehen. Wir lernten, an uns zu glauben, Hilfe zu holen und wir lernten, Eltern zu sein. 

Da lernen wir auch heute noch. Lieber Dirk, danke, dass du da warst und bist. Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal so lange mit jemandem zusammen sein kann und dass es sogar immer besser würde. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal drei Kinder zur Welt bringen würde. 

Ich will noch ganz viel mit dir lernen und wünsche uns, dass wir auch in Zukunft das Lernen nicht verlernen.

(c) Ramona Eibach, www.funkelflocke.de

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