Die Buchfee, die abweisend sein wollte und es nicht übers Herz brachte

Ich schaute auf die Uhr: Seit fast einer halben Stunde stand ich schon in der Signierschlange eines Illustratoren, den ich wahnsinnig mag. Blöd. Ich hatte mich verschätzt.

Ich wollte mich noch mit jemandem treffen. Also räumte ich meinen Platz und spurtete los. Ich freute mich so sehr auf das Gespräch, dass ich gar nicht mehr daran dachte. “Was soll’s?! Das Buch ist sicher auch ohne Signatur schön”, tröstete ich mich. Nach dem Gespräch dachte ich darüber nach. Dann ging ein Gedanke durch meinen Kopf: “Vielleicht hat er ja länger gemacht?” Ich schoss durch die Halle und fand ihn am Stand. 3 Leute standen noch an. Ich fischte das Buch aus dem Rucksack und stellte mich an. Dann eine unfreundliche Stimme: “Sie dürfen jetzt nicht mehr anstehen!” Ich: “Och bitte, ich habe eben schonmal eine halbe Stunde lang angestanden und musste weg!” Die Dame klang genervt: “Eigentlich geht das nicht!”
Oh. Sie hat “eigentlich” gesagt! Deshalb schöpfte ich Hoffnung. Ich blieb stehen und wartete, ob sie ihre Position verteidigen würde. Sie zischelte ihrer Kollegin etwas zu. Ich verstand nur das Wort “dreist”. Großartig!
Ich bin immer der Typ Mensch gewesen, der sich nicht getraut hat, dreist zu sein. Das Kompliment trifft auf fruchtbaren Boden. Mut wächst. “Mal sehen, was passiert.” Der Illustrator wirkte total entspannt und hatte es offensichtlich nicht eilig. Noch mehr Menschen versuchten, sich anzustellen. Ein weiterer Verlagsmitarbeiter baute sich hinter mir auf: “Sie sind die Letzte!” Ich spürte, wie ein Strahlen mein Gesicht erhellte. Ein sehr vorwurfsvoller Blick seiner Kollegin verriet mir, dass sie alles andere als einverstanden war. Trotzdem spürte ich, was sie nicht sagte: “Ich hätte soooo gerne ja gesagt!”

Den Moment mit dem Axel Scheffler habe ich sehr genossen. Er strahlt so viel Wärme aus. Außerdem war ich beeindruckt, wie er komplett aus dem Kopf den Hund Jim zeichnete.


Liebe Kinderbuchfee: Falls Sie das hier lesen, seien Sie versichert, dass ich Sie genauso, wie die anderen Feen nicht vergessen werde!
Im Gehen schaute ich ihr fest in die Augen, als ich mich bedanke. Ich meinte, ein unscheinbares Lächeln erkennen zu können. Danke liebe Buchfee, du hast mir Mut geschenkt, ein Erfolgserlebnis und eine persönliche Begegnung mit einem meiner Lieblingsillustratoren.

(c) Ramona Eibach, www.funkelflocke.de

Vorherige Beiträge aus dieser Reihe:
Die Buchfee – Wie sie durch einen Fehler in mein Leben kam
Buchfee mit Flugerfahrung
Der Buchfee, der Geborgenheit im Trubel bringt

2 Antworten auf „Die Buchfee, die abweisend sein wollte und es nicht übers Herz brachte“

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