Empathie für mich selbst
Empathie für mich selbst

Empathie für mich selbst

Für Selbstzweifler und andere, die lernen möchten, sich selbst in schwierigen Momenten beizustehen.

Verzweifelt scrolle ich durch mein Handy. Heute brauche ich eine Ermutigung. Ich muss doch irgendwas geschrieben haben, was mir hilft. Dann finde ich eine Therapiehausaufgabe aus der Klinik. Herausgekommen ist eine Art Meditation, mit deren Inhalt ich mich selbst überrascht habe. Heute teile ich sie mit allen, die lernen möchten, für sich selber da zu sein.

Empathie für mich selbst

Heute erlaube ich mir, dieses Leben zu leben.
Ich darf die schönen Momente genießen und die schwierigen überstehen.
Das ist ein Privileg.
Das Leben ist ein endloser Berg.
Seine Spitze verschwindet im Nebel.
Der Aufstieg wird nie zu Ende sein.
Ich weiß nicht, wohin der Weg führt und wo er endet.

Ich erlaube mir, Hilfsmittel zu verwenden, Brücken zu bauen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. 
Ich erlaube mir Schwäche, weil der Berg nicht zu bezwingen ist, wenn ich alles gebe.
Ich werde ihn sanft überwinden, im Dialog mit mir selbst.
Ich werde nett zu mir sein.
Ich werde mich fragen: „Was brauchst du heute?“
Und mir antworten: „Es ist gut, das zu fragen.“
Ich werde keine Angst vor der Antwort haben.
Die Antwort lautet nicht: „Mehr Geld, mehr Zeit, mehr Hilfe, mehr Kraft.“
Die Antwort lautet: „Ich brauche mich selbst.“ 

Heute erlaube ich mir Achtsamkeit.
Ich erlaube mir, das Schöne am Wegrand zu entdecken.
Einzelne Steine umzudrehen, das Leben darunter zu bestaunen, Pflanzen zu bewundern, den Duft von Blumen einzuatmen.
Und die Aussicht zu genießen, wenn die Sonne den Nebel auflöst. 

Eistropfen an einem Zweig
Heute erlaube ich mir Achtsamkeit.

Heute erlaube ich mir Kreativität.
Ich erlaube mir, meine Ideen gut zu finden, sie mit Kopf, Herz und Hand in die Tat umzusetzen.
Ich erlaube mir, mein Leben selbst zu gestalten.

Heute schenke ich mir Freude am Vorwärtsgehen. Ich brauche kein Ziel.
Es gibt bei diesem Aufstieg kein Ziel.
Die Spitze des Berges liegt irgendwo im Nebel.
Keiner weiß, wie weit es noch ist, wie die Aussicht von da oben ist, ob mir eine Lawine entgegenkommt oder ein Unwetter.
Ich weiß nur, dass ich gehen muss und will.  

Heute schenke ich mir Empathie für mich selbst.
Der Weg ist meiner und niemand vor mir ist ihn je gegangen.
Deshalb brauche ich vor allem mich selbst.
Ich kann nur mit meiner Hilfe weiterkommen.
Nur ich habe die Erfahrung, mir zu geben, was ich brauche.
Nur ich weiß, was ich leisten kann.
Ich weiß, wie ich Teilstrecken überwunden habe.
Ich erlaube mir, mir selbst zu helfen.

Waldweg im Schnee mit Herbstlaub im Vordergrund

Heute schenke ich mir Zuversicht.
Ich weiß, dass ich es schaffen kann.
Ich erlaube mir, mich auf die nächste Etappe zu freuen. 
Heute schenke ich mir Kraft aus meinen Stärken, wenn ich mich schwach fühle.
Ich darf sie nutzen.
Ich darf mir und anderen Gutes damit tun.

Heute schenke ich mir Pausen.
Pausen sind Kurzurlaub vom Karussell des Getriebenseins.
Oft spüre ich seinen Drehwurm erst dann, wenn ich absteige.
Ich darf den Schwindel genießen und mir danken, dass ich es so lange mit mir ausgehalten habe. 

Heute schenke ich mir ein Lächeln.
Ich betrachte mich im Spiegel, bin stolz auf meine grauen Haare.
Auf die Linien, die mein Leben in mein Gesicht gezeichnet hat.
Ich schenke mir Wertschätzung dafür, dass ich so weit gekommen bin.
Ich sage mir zu, auch die nächsten Schritte mit mir zu gehen. 

Herbstwald mit Nebel

Mag der Weg auch endlos sein, mag das Ziel im Nebel liegen:
Ich erlaube mir, ihn so zu gehen, wie ich es kann.
Mit Fehlern, falschen Abbiegungen und Zusammenstößen.
Ich erlaube mir, den Weg zu korrigieren.
Ich schenke mir jeden einzelnen Schritt, jedes Detail am Wegrand, jeden Menschen, dem ich begegne.
Ich werde an meiner Seite bleiben.
Mir in schlechten Zeiten zurufen: „Steh auf! Ich gehe mit dir!“

Und wenn mir das alles nicht gelingt?
Dann erlaube ich mir Empathie für mich selbst.

(c) Ramona Eibach, www.funkelflocke.de

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