Jahresrückblick 2025: Ich entrümpele mein Jahr
Jahresrückblick 2025: Ich entrümpele mein Jahr

Jahresrückblick 2025: Ich entrümpele mein Jahr

Der überfüllte Kleiderschrank ist meine perfekte Ausrede. Ich habe keinen Bock, den Jahresrückblick zu schreiben. Gefühlt war 2025 für mich schwarz.

Seit einigen Monaten schiebe ich das Projekt “Kleiderschrank” vor mir her. Jetzt nutze ich die Gelegenheit, um nicht nachdenken zu müssen. Noch weniger als aufräumen möchte ich nämlich mit meiner Schreibblockade konfrontiert werden. Doch der Jahresrückblick hat schon längst gewonnen. Schon zweimal habe ich an der Aktion jahresrückblog von Judith Peters teilgenommen. 

Der überfüllte Kleiderschrank – ein Glücksfall für den Jahresrückblick 2025

Diesmal war nicht mal mehr ein Newsletter nötig, um mich zu erinnern. Ohne darüber nachzudenken ist irgendwas in mir auf die Webseite gegangen und hat mich angemeldet. Während ich dem Live-Webinar der Bloggerin zuhöre, greifen meine Hände Teil für Teil aus der Schublade. Ich schaue zu, wie der Stapel der ausrangierten Klamotten wächst. Die meisten sind zu klein, einige kaputt. Ich habe mich verändert. Sportlich bin ich nach wie vor, aber mein Idealgewicht habe ich längst hinter mir gelassen. Mein Körper hat sich im vergangenen Jahr verändert, genau wie die Idealvorstellung von meinem Leben. 
Ich möchte noch mehr ausrangieren, auch innerlich. Das Jahr war so voller negativer Erlebnisse, dass sie problemlos einen Müllcontainer füllen würden: Ein neuer Bandscheibenvorfall im Sommer, familiäre Probleme, ein schwerer psychischer Einbruch, Psychiatrieaufenthalt, die meisten Tage Krankschreibung seit Beginn meiner Erwerbstätigkeit. Papierkram, wie Berichte, Bescheide, Anträge. Schreibblockaden, Motivationstiefs und Scham bestimmten mein 2025. Dachte ich.

Die Depression hat meine Erinnerung in tiefes Schwarz gehüllt. Um meinen Jahresrückblick nicht beginnen zu müssen, war mir sogar der überfüllte Kleiderschrank recht. Ich dachte, ich hätte mich ein Jahr lang hauptsächlich versteckt. Jetzt staune ich, dass ich äußerlich genau das Gegenteil getan habe. Mein Klamottenstil hat sich entgegengesetzt zu meinem seelischen Empfinden geändert. Die neuen Sachen sind nicht nur größer, sondern auch bunter, wilder, auffälliger. Zwischen Bandshirts und Sportklamotten prangen Smileys, Neonfarben, Glitzer. Endlich wieder. Ich verstehe, dass mein überfüllter Kleiderschrank ein Glücksfall für den Jahresrückblick ist. Ich sortiere mein Jahr anhand meiner Kleidung. 

Bandwear als Gegenmittel und das Versprechen zu Leben

Shirts von meiner Lieblingsband Marillion lagern schon lange in meinem Kleiderschrank. Doch seit Sommer sind weitere Bands dazu gekommen. Das US Künstlerduo Chasing Summer, bestehend aus Tammy Rochelle und Joseph Bamber war im Sommer wieder zu Besuch. Die beiden sind wichtige Freunde für uns geworden. Ein T-Shirt von ihnen bedeutet Freundschaft. 

Ramona Eibach mit Chasing Summer Bandshirt an der Ostsee
Mit Chasing Summer Shirt an der Ostsee im Juli.

Im September war ich beim Loud and Proud Festival in Wissen. Die Karte hatte mein Mann mir zum Geburtstag geschenkt. Ich steckte in einer schweren Depression. Panikattacken machten mir das Leben zur Hölle. Ohne dieses Geschenk wäre ich wohl kaum freiwillig in eine Menschenmenge bei lauter Musik gegangen. Eine meiner Lieblingsbands Theocracy war da. Ich drückte mich am Rande der Side Stage herum, als sie spielten. Ich kaufte mir ein T-Shirt mit einer Liedzeile: “Come aboard and leave your darkness behind.” Schöner kann man meinen Wunsch, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, nicht formulieren. Ich überlegte, das Festival frühzeitig zu verlassen. Ein Gedanke hielt mich ab: Auf der Hauptbühne spielten an diesem Abend noch Disciple. Ich war neugierig, kannte aber nur ein Lied von ihnen. Vom ersten Ton an zog es mich in die Menge, bis nah vor die Bühne. Was dann passierte, änderte mein Leben. Der Sänger erklärte, ein Freund habe sich das Leben genommen. Daraufhin habe er ein Lied geschrieben. Promise to live fordert auf: Entscheide dich für das Leben, egal was passiert. Versprich, am Leben zu bleiben.

Seitdem höre ich das Album rauf und runter. Immer, wenn düstere Gedanken kommen: Promise to live. Bleib am Leben! Ich habe dieses Versprechen vor allem mir selbst gegeben. Ich habe nie ernsthaft einen Suizid in Erwägung gezogen. Aber dank dieses Songs konnte ich mich sofort von dem Gedanken ablenken, wenn er kam. In der Psychiatrie lernte ich einen Monat später, dass man sowas im Fachjargon einen Skill nennt. Ich finde den Ausdruck Skill beknackt, weil er kill und ill (töten und krank im Englischen) beinhaltet und wenig selbsterklärend ist. Skills sind für mich Gegenmittel. Das kann alles sein, was gegen Schwierigkeiten im Alltag, psychische Probleme und Lebenskrisen hilft, ohne eine schadhafte Nebenwirkung zu haben. Da gibt es einige in meiner Klamottenkiste. 

Als Kampfsau in Leggins zum Traum-Bioage im Gym

Schwarze, weiße und blaue Kampfhosen wandern in den Karton. Ich brauche zum dritten Mal neue Judohosen seit Herbst letzten Jahres. Der Grund hierfür ist glücklicherweise nicht mein Übergewicht, sondern mein exzessiver Gebrauch eines Fitnessgeräts. Der Beinstrecker trägt als mein Lieblingsfeind 2025 Schuld an meiner stetig wachsenden Oberschenkelmuskulatur. Je mehr ich das Ding hasse, desto besser werde ich. Inzwischen trainiere ich mit 50 Kilo. Mein Mann nennt es “das Gewicht des Todes”. Das halte ich für übertrieben, denn offensichtlich lebe ich ja noch. Im Gym genieße ich den zweifelhaften und halbironischen Ruf als Kampfsau. Ein Shirt mit der entsprechenden Aufschrift hat mir mein Mann vor einem Jahr zum Geburtstag geschenkt. Es ist schon etwas verwaschen, aber es bleibt im Schrank! Dort müssen auch einige Sportleggings bleiben.

Cara und Ramona im Gym. Auf den shirts steht Muscle Mummy und Kampfsau
Spaß mit Cara im Gym. Wir tragen unsere Lieblingsshirts und unseren Bizeps zur Schau.

Dank meiner Lieblingsmuckibude Miami Fitness Club in Burbach konnte ich 2025 außer meinem 46. auch noch meinen 23., 22. und 21. Geburtstag feiern. Genau in dieser Reihenfolge. Die Anschaffung des Egym hat mir neue Trainingsanreize gegeben. Die Geräte sind computergesteuert. Auf Basis von Krafttests wird das ideale Trainingsgewicht errechnet. Am Ende spuckt der Computer das Kraft Bio Age aus. Im September lag meins bei 23 Jahren. Jetzt, zwei Tage vor Jahresende, habe ich den Test wiederholt. 21 Jahre! Die scherzhaft geäußerte Sorge eines Judo Trainerkollegen, ich könnte noch den Führerschein verlieren, ist unbegründet: Weniger als 21 geht nicht. Meine Essenz daraus: Bandscheibenvorfall, steigendes Körpergewicht und 6 Wochen Klinik konnten zumindest das Wachstum in diesem Bereich nicht stoppen. Mein Wahlspruch: “Sport hilft gegen alles” hat sich bewahrheitet. Ich habe eine Menge Schmerzen weg trainiert – oder wie sie in der Klinik gesagt hätten: Ich habe geskillt.

Bildschirmanzeige des Egym verrät mein Kraft BioAge:  21 Jahre!
Ein Krafttest zum Jahresende bestätigt, dass ich jung geblieben bin.

Vereinskleidung und Gi: Mein Judojahr

Wer Kampfsport macht, braucht Platz. Drei Bügel für Gis (Judo-Anzüge), zwei für Trainingsjacken mit Vereinslogo. Meine Gedanken wandern in den März. In diesem Monat haben wir den jahrelangen Coach der Männermannschaft der Judo Kampfgemeinschaft Siegerland verabschiedet. Bei deren Training habe ich selbst einige Zeit lang mittrainiert. Heute vollkommen unvorstellbar für mich. Die Jungs haben mich jahrelang auf der Matte akzeptiert. In dieser Zeit hat Michael mein Judoleben sehr positiv beeinflusst. Dafür bin ich sehr dankbar. Umso schöner, dass ich beim Abschiedstraining in unserer Halle mitmachen konnte!

2025 war Jubiläumsjahr des Judo Club Gernsdorf. Anfang des Jahres bin ich voller Tatendrang der Vorbereitungsgruppe beigetreten. Ich habe bei keiner Vorbereitung mitgemacht. Damals habe ich nicht geahnt, was das Jahr bringt. Ich war durch Verletzungen und einen neuen Bandscheibenvorfall nur selten als Teilnehmerin auf der Matte, öfter als Trainerin. Ein Highlight war der Lehrgang mit den Kataweltmeistern Ulla Loosen und Wolfgang Dax-Romswinkel. Im September zwang mich meine Psyche dann zu einer kompletten Mattenpause. Ein Klinikaufenthalt verhinderte, dass ich beim Jubiläum mithelfen konnte. Aber ich war bei der Feier da. Ein schönes Erlebnis. Ich fühlte mich sehr wertgeschätzt. Im Dezember habe ich dann meine Tochter in Bonn in der Kinderklinik besucht und war nicht mehr in der Lage, beim lang geplanten Weihnachtspokalturnier zu helfen. Dort war mein Verein Ausrichter. Hierfür hatte ich extra einen Lehrgang besucht, um Turnierlisten schreiben zu dürfen. Ich war traurig, nicht dabeisein zu können. Doch der Geruch von Judomatten und die Erinnerung an ein großartiges Trainingslager zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht.
Shirts in weiß und rot mit Logo wandern in eine Kiste unter der Kleiderstange. Griffbereit fürs nächste Training. Ich bin stolz, Teil dieses tollen Vereins zu sein.

Kordel und Abada: Im Herzen bleibt Capoeira

Schwermütig, aber dankbar lege ich die Orangene Kordel zu dem Stapel Abadas (Capoeirahosen) und Shirts. Ich möchte sie noch behalten. Die Capoeira war am stärksten von meiner gesundheitlichen Situation betroffen. Handstand und Stütz sowie schnelle Kicks waren nicht möglich. Ich war nur bei wenigen Trainings. Im September schaffte ich es zum Sommerevent, wovon ich einen kleinen Teil absolvierte. Im Dezember hat die Siegener Abteilung des Vereins Cadencia Brasil Capoeira die Tore geschlossen. Beim Abschlusstraining kurz nach meiner Rückkehr aus der Klinik konnte ich dabei sein. Hier stellte ich überrascht fest, dass ich wieder fit genug für diesen Sport bin. 

Auch hier wieder ein Abschied: Professora Sheha, die sich unter hohem privaten Einsatz für das Fortbestehen des Vereins engagiert hat, musste die Trainertätigkeit aufgeben. Von ihr habe ich viel lernen dürfen und ich schätze sie sehr für ihr Durchhaltevermögen. Danke für alles!
Mein Capoeiraname ist Guerreira. Das ist portugiesisch und bedeutet “Kriegerin”. Mestre Cabeca gab ihn mir mitten in der Coronakrise 2021. Er erinnert mich daran, dass ich nie zu alt bin, um Neues zu wagen. Er wird in meinem Herzen bleiben. 
Und mein Duolingo Streak wird weiter wachsen. Mein Portugiesisch kann gerne noch besser werden. 

Lieblingsschürze statt Kuscheltier: Wenn Kunst sich zeigen muss

Meine Lieblingsschürze hängt nicht im Schrank. Sie ist so voller Farbflecken, dass ich Sorge habe, sie könnte auf den sauberen Inhalt meines Kleiderschranks abfärben. Sie hängt im Keller.  Ich benutze sie, wenn Kunst entsteht. Sie ist immer dabei, auch in der Psychiatrie habe ich sie bei jeder Gelegenheit getragen. Ergotherapie, freies Gestalten und Malen zwischendurch. Sie ist für mich ein Kuscheltier-Ersatz: Ich fühle mich wohl, sobald ich sie trage. In den letzten Monaten habe ich das beinahe vergessen. Ich hatte die Rückmeldung bekommen, meine Portraits würden weniger erfahrene Maler und Malerinnen hemmen, etwas auszuprobieren. Von anderer Stelle wurde Kritik laut, meine Malerei fräße wichtige Zeit, die dann der Familie fehle. Im April diesen Jahres hatte ich noch eine Ausstellung im Café 28 in Pohlheim Watzenborn gemacht. Im Februar durfte ich einen Bastelnachmittag mit Kindern für das Familienbüro in Burbach gestalten. Auch da durfte die Schürze nicht fehlen.
Jetzt versteckte ich mich. Kunst fühlte sich plötzlich falsch an.

Im November saß ich in der Klinik in der Ergotherapie und weinte mir die Augen aus. Ich hatte eine Mini-Leinwand abstrakt bemalt. Ich spürte, wie ein Portrait darauf entstehen wollte. Mein Zimmer teilte ich zu dem Zeitpunkt mit einer 18 jährigen Künstlerin, die mein Treiben nicht im Geringsten störte. Auch dank ihr fand ich dann den Mut, meine Gedanken auf der Leinwand umzusetzen. Als das Bild fertig war schaute mich eine Frau aus einem farbigen Vorhang an. Ich nannte es „Versteckte Talente“. Ein Symbol dafür, dass ich entstehen lassen muss, was aus mir entstehen will. Es hat mir geschadet, diesen Prozess zu unterdrücken. Das ist eine wichtige Lektion aus 2025. Es tut mir leid, wenn sich jemand durch das verletzt fühlt, was ich male oder schreibe. Was ich möchte, ist aber ausdrücklich das Gegenteil: Ich möchte ermutigen. 

dunkelhäutoge Frau schaut durch einen Vorhang aus Farben: Versteckte Talente, Gemälde aus 2025 von Ramona Eibach
Versteckte Talente. Kohle und Aquarell auf Mini-Leinwand, 15×20 cm, November 2025

In Pink zwischen Nachtwächtern – Schreibprojekte

Ein anderes kleines Highlight fand an meinem Geburtstag statt. Im pinken Shirt stehe ich zwischen dunkel gekleideten Männern. Für den Heimatverein Alte Vogtei Burbach e.V. habe ich 2023 gemeinsam mit der Künstlerin Janine Moses das Kinderbuch „Schutz für die Träumer“ geschrieben. Es handelt vom Burbacher Nachtwächter. Zum 15. Jubiläum der Nachtwächtertouren in meinem Heimatdorf hat der Filmemacher Roman Knerr einen Dokumentarfilm gedreht. (Zur Kurzfassung) Ich durfte bei der Organisation der Dreharbeiten helfen und bei der Vorpremiere an meinem Geburtstag dabei sein. An diesem Tag war ich nicht darauf vorbereitet, nach vorne gerufen zu werden. Deshalb steche ich auf dem Foto als pinker Punkt heraus – ein schönes Symbol für mein Texterjahr 2025: es gab nur einzelne bunte Punkte im Grau.

Ramona Eibach in Pink zwischen Christoph Ewers und den Nachtwächtern des Heimatvereins in Burbach
Ich als pinker Punkt zwischen Noch-Bürgermeister Christoph Ewers und den drei Nachtwächtern bei der Vorpremiere der Nachtwächter-Doku im September.


Immer wieder bremsten mich Depressionen und Schreibblockaden. Trotzdem staune ich, was da zusammengekommen ist. Im Sommer habe ich meinen Blog Funkelflocke.de neu aufgesetzt, im Januar erschien ein Büchlein von Gerth Medien, in dem drei Geschichten von mir veröffentlich sind. Durchgezogen wie ein roter Faden hat sich die Mitarbeit beim Für mich Magazin (Momente der Achtsamkeit) von Marburger Medien. in jedem findet sich ein Artikel von mir. Und auch beim Für mich Jahreskalender bin ich wieder dabei. Früher hätte ich bei dem Gedanken laut gelacht, dass ich mal Kalendersprüche texten würde. Heute bin ich stolz darauf.

Veröffnentlichungen in Zeitschriften, einem Buch und Kalendern
In diesem Jahr habe ich privat in diesen Printmedien veröffentlicht. Danke allen für die tolle Zusammenarbeit!

Traueroutfit als Hoffnungszeichen 

Im Sommer ist eine ehemalige Kollegin gestorben. Einer von Rachels letzten Wünschen war, dass wir in Farbe auf der Trauerfeier erscheinen sollten. Ich kaufte ein pflaumefarbenes Shirt mit der Aufschrift “Trust yourself” am Ärmel. Für mich eine Art Merkzettel an mich selbst. Du kannst dir selbst vertrauen. Du bist okay. Immer, wenn ich es trage, erinnere ich mich an diese mutmachende und menschenliebende Person. Ich trug es bewusst bei der Visite am Entlasstag in der Psychiatrie. Ich lege es mit einem Lächeln in die Schublade zu den Shirts. Es wird noch gebraucht.

Kommodenschubladen mit T-Shirts. Eins mit der Aufschrift Trust yourself
Trust Yourself: Die Botschaft habe ich mir zu Rachels Trauerfeier geschenkt.

Oversize Hoodies mit Platz für mehr von mir

Der lila Pulli mit Kapuze fehlt! Ich glaube, er ist in der Wäsche. Er kommt definitiv nicht in die Schublade. Den ziehe sofort von der Leine wieder an! Im Juli traf ich während unseres Sommerurlaubs eine Freundin in Plön. Ich hatte sie 2023 in einer Rehamaßnahme kennen gelernt. Ute ist mit mir shoppen gegangen, weil ich meine alte geliebte Sweatjacke in einem Freizeitpark verloren hatte. Ich kaufte spontan einen Kapuzenpullover in Übergröße mit 4 Smileys in Neonfarben. Er wurde mein Begleiter in schweren Tagen. Ich stellte fest, dass ich mit den aufgestickten Grinsgesichtern vier Ersatzlächeln dabei hatte, falls meins verloren ging. Das passierte leider häufig.

Oversitze Hoodie mit Smileys auf der Wäscheleine
Mein Ersatzlächeln: der Pulli wird direkt von der Leine wieder angezogen.

Bis der Pulli wieder einsatzfähig ist, verwende ich einen anderen. Mehrere bunte große Exemplare mit Kapuze haben 2025 den Weg zu mir nach Hause gefunden. Oft habe ich mich geärgert, dass ich fett geworden sei. Weniger Sport, Fressattacken und Psychopharmaka waren die Auslöser. Dazu mangelnde Disziplin in der Ernährung. In diesem Moment bin ich überrascht, dass ich in der Lage bin, das bildlich zu sehen. Ich bin aus meinen alten Klamotten rausgewachsen. Ich brauche Platz für mehr von mir: Mehr Hoffnung, mehr Sichtbarkeit, mehr Farbe, mehr Lebenswillen, mehr Selbstvertrauen. 

Ausstattung für die Zukunft: Gegenmittel für 2026

Mein Kleiderschrank-Projekt war nicht geeignet, mich vor dem Schreiben zu bewahren. Es hat mich mitten in den Jahresrückblick 2025 getrieben. In meinem Leben waren die Schubladen überfüllt, die Kleiderstange ächzte unter nutzlosem Kram, die Tür ging nicht mehr zu. Ich musste entrümpeln, Schutzraum finden und die Reizüberflutung stoppen, um den Jahresrückblick schreiben zu können. Zwei große Wäschekörbe voller alter Brocken sind ausrangiert. Gut erhaltene größere Stücke wandern zum Second Hand Laden. Die kleinen Klamotten hat sich zum Teil schon meine Tochter gesichert.

Ich bin 2025 gewachsen, jünger im Kraft Bio Age geworden, aber reifer im Soul-Age. Letzteres lässt sich nicht objektiv messen. Dennoch spüre ich es. Das Jahr war keine Berg- und Talfahrt. Es war nur eine Talfahrt. Aber ganz unten kann ich nicht mehr fallen. Vielleicht habe ich deshalb dort die Lektion der Gegenmittel gelernt. Mein Kleiderschrank hat mir einige davon bewusst gemacht. Meine wichtigste Lektion war: Empathie für mich selbst zu entwickeln. Das ist ein wichtiges Gegenmittel gegen Depressionen, Selbstverachtung, Scham und Wut. Hier passt wieder das Bild des Klamottenhaufens: Ich darf mir Zeiten gönnen, um zu schauen, was passt.
Worin gefalle ich mir?
Wo brauche ich mehr Platz?
Was bringt mich zur Geltung?
Was gibt mir Bewegungsfreiheit?
Ich darf diese Fragen stellen.

Ich weiß, es wird auch nach Silvester weiterhin Stress geben. Schwere Entscheidungen müssen getroffen werden und gesundheitlich gibt es Baustellen bei den Kindern und mir zu bearbeiten. Ich werde auch 2026 scheitern und wieder Dinge tun, die ich nie wollte. Genauso werde ich wieder überrascht sein und wieder wachsen. Mir ist wichtig, mutig hinzuschauen. Mein Schrank ist entrümpelt. Die Klamotten sind am Start. Ich bin bereit. 

Familie Eibach Weihnachten 2025
Mein Lieblingsfoto 2025: Unsere nicht-ganz-so-heilige Familie an Heiligabend

(c) Ramona Eibach, www.funkelflocke.de

Weitere Jahresrückblicke:

Wachstum und Würde: Jahresrückblick 2024

Wenig verdient, viel gewonnen: Jahresrückblick 2023

Jahresrückblick von Dana von Danadesign

10 Kommentare

  1. Liebe Ramona,

    was für ein schöner, ehrlicher und emotionaler Jahresrückblick. Ich war gefesselt davon, wie Du immer wie zu Deinem Kleiderschrank navigiert hast- das hat beim Lesen viel Freude gemacht.
    Ich habe mir direkt das Lied „Promise to live“ und bin begeistert. Bei Spotify habe ich mir dann mal direkt die Musik runtergeladen- genau mein Geschmack. Ich kannte die Band nicht- dank Dir jetzt schon.

    Ich wünsche Dir ein wundervolles neues Jahr, mit vielen bezaubernden Momenten, auf die Du am Ende von 2026 mit einem Lächeln zurückblicken kannst.

    Liebe Grüße
    Anja

  2. Liebe Ramona,
    ich bin sehr dankbar, dass du deine Schreibblockade ablegen konntest – wir wären sonst um einen wunderschönen Text ärmer!
    Dein Schreibstil hat mich warm eingepackt -wie ein Lieblingspulli – und an der Hand genommen, und mich von Passage zu Passage geführt.

    LG Madeleine

  3. Liebe Ramona!
    Welch ein großartiger Artikel. Und bitte, bitte, bitte, male weiter, höher, schneller, bunter, grauer, größer und kleiner. Egal. Deine Bilder sind wunderschön. Und mir machst du keine angst davor, dass ich nicht so gut malen kann.
    Im Gegenteil, das inspiriert mich doch eher, doch irgendwann mal eine Malschule zu besuchen und Techniken zu lernen. Denn nur wenn ich lerne, kann ich auch wachsen.
    Deine Musik kenne ich komplett nicht (ok, Marillion schon), deine Klamotten gefallen mir und alle Achtung vor deinem Sport! Nach dem Beinstrecker musste ich googlen und herrje, Lieblingsfeind trifft es wirklich gut! Höllenmaschine. Ich glaube, meine Spitzenleistung da waren irgendwas über 30kg. Aber danach brannten die Oberschenkel derb. Und mit genügend Ausreden war ich jetzt auch 2,5 Jahre nicht mehr in einem Gym. Mein BioAge damals. Keine Ahnung. Was jünger als ich und insgesamt nicht ausgewogen trainiert. Zuviel Bein, Bauch, Rücken und keine Arme. Dafür Kekse 😉
    Liebe Grüße
    Daniela

    1. Ramona Eibach

      Danke, Daniela! Ich male weiter. Ich kann ja sowieso nicht anders… Zu viel Kekse gibt es bei mir auch, aber ich achte sehr darauf, das Training zumindest nicht zu vernachlässigen. Und 2026 steht Ernährungsumstellung auf dem Plan. Heute den ersten Schritt zur Zuckerreduktion gegangen und Süßkram zwischendrin weg gelassen. Ich hoffe, ich halte durch. Danke für deine Rückmeldung. Hab mich sehr gefreut. Liebe Grüße

  4. Liebe Ramona,
    danke für deinen herzlichen und offenen Beitrag. Mich hat es richtig amüsiert, wie du immer wieder den Bezug zu deinem Kleiderschrank gefunden hast.

    Und irgendwie ist es mit unseren Depressionen ja auch so. Wenn ein Kleiderschrank überfüllt ist, zeigen uns Türen, die nicht mehr zugehen, dass wir „aussortieren“ dürfen.

    Meiner eigenen Erfahrung nach, sind Depressionen die Sprache unserer Seele. Nach dem Motto: Wenn du dir die Ursache nicht ansehen willst, „zwing“ ich dich eben durch Depressionen dazu, bis du es tust.

    Du bist mit mehr Empathie für dich selbst auf dem richtigen Weg. Geh ihn unbedingt weiter. Auch wenn es so manches Mal schwer und steinig wird.

    Ich wünsche dir auf diesem Wege alles erdenklich Gute. Wir sind ja in Kontakt 🫂

    Alles Liebe,
    Claudia

  5. Liebe Ramona, das ist ein sehr ehrlicher und tiefblickender Beitrag – toll! Vor Kampfsport habe ich höllisch Respekt und bewundere alle, die sich da ranwagen. Und ich bin auch deutlich jünger als mein biologisches Alter: Immer 22 Jahre in Bezug auf meinen Musikgeschmack. Was die Sportlichkeit angeht: Daran arbeite ich noch!
    Für 2026 wünsche ich dir alles Liebe und dass es mehr bunt als schwarz für dich bereithält! Liebe Grüße, Christine

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