Wenig verdient, viel gewonnen

Jahresrückblick 2023 oder: Zurück zu dem, was für mich zählt

Das Räuchermännchen zeigt bildhaft, was mein Kopf tut: qualmen. Der Geruch seiner feinen Wolke weckt Erinnerungen an Papierstapel, durchgearbeitete Nächte und eine Familie, die mit schwerer Grippe flach liegt. Alle außer mir. Die Endphase meiner Manuskripterstellung im vergangenen Jahr war anders als geplant. Meine 4 Wochen Schreiburlaub wurden zur Textbaustelle in der heiligen und den folgenden Nächten. Ich habe es geschafft und nicht nur das.


Das Jahr 2023 ist definitiv mein Jahr der nebenberuflichen Veröffentlichungen geworden.

Im März erschien ein Text von mir in einem Frühlingsgeschichtenband vom Brunnen Verlag. Zur gleichen Zeit genehmigte das Finanzamt mein kleines nebenberufliches Schreibgewerbe. Im August erschien mein Buch Funkelflocken im Neukirchener Verlag.

Anfang Oktober veranstaltete ich meine erste abendfüllende Lesung, obwohl ich vorher klar gesagt hatte, dass ich sowas auf gaaaar keinen Fall mache. Ich hatte nämlich mega Lampenfieber. Warum ich es doch tat? Weil ich spürte, dass es richtig ist. Ende Oktober fuhr ich zur Buchmesse, um dort noch mehr zu erfahren und die Verlagsleiterin vom Neukirchener Verlag zu treffen. Beides Dinge, die ich in jedem Fall weiterhin tun werde. Hier finde ich Inspiration und die Gelegenheit, Momente zu teilen!

Am 1. November erschien meine Kindergeschichte über den Nachtwächter in Burbach unter dem Titel „Schutz für die Träumer“ als Buch. In Zusammenarbeit mit der Burbacher Künstlerin Janine Moses und der Werbeagentur Berners Büro betreute ich über Monate die Entstehung des Buches für den Heimatverein Alte Vogtei Burbach e.V. . Die Geschichte erschien im Selbstverlag mit Hilfe von Fördermitteln der Stiftung der Sparkasse Burbach-Neunkirchen. Gleich zweimal las ich öffentlich daraus vor. Es fühlte sich gut an! Ich kann es kaum fassen.

Das sind Medien, die oder in denen ich in 2023 nebenberuflich veröffentlicht habe. Ich freue mich über jeden Text und jedes Bild.

Viele Zeitschriftenartikel. Besondere Freude macht mir die Zusammenarbeit mit der Stiftung Marburger Medien e.V. für das Für Mich Magazin. Dazu kleinere Veröffentlichungen, Blogartikel und natürlich die hauptberuflichen in verschiedenen Medien, die ich hier nicht mitzähle. Das alles habe ich getan, weil ich spürte, dass es an der Zeit ist, weiterzugeben, was mich beschäftigt:

Es gibt die guten Momente in dieser Welt. Es gibt Hoffnung. Es gibt Schönheit. 

Deshalb liebe ich auch das Bloggen. Deshalb liebe ich die Kunst. Deshalb ist es so schön, Pressereferentin bei Wycliff Deutschland zu sein. Ich kann eine Arbeit bekannt machen, die Hoffnung vermittelt.

Ich hatte mir vorgenommen, nebenberuflich mehr in Marketing zu investieren. Was ich mache ergibt ja schließlich nur Sinn, wenn es bekannt wird. Aber es klappt nicht. Immer wieder stoße ich dabei auf inneren Widerstand. Als ich zum Beispiel überlegte, wo ich mein Buch wie anpreisen könnte, wanderte mein Hirn in die Sehnsucht ab, etwas Neues zu produzieren, Schönheit aufzusaugen, einzufangen, zu beschreiben, abzubilden oder zu malen. Zusätzlich begegneten mir im Web ständig Versuche von Autoren, ihr Zeug kreativ an den Mann oder die Frau zu bringen. Das führte dazu, dass manch schöner Social Media Kanal, der vorher eine kreative Inspiration für mich gewesen ist, zur Werbeplattform verkam. Es gibt aber auch die, die weiter tun, was ich bei Social Media suche: Einladen, den Tag kreativ zu begreifen und zu verarbeiten. Dazu habe ich Funkelflocke erfunden und dazu soll mein Blog noch lange weiterstrahlen. Es stellte sich zum Beispiel heraus, dass mancher Beitrag, der wenig geklickt worden ist, jemanden in einer persönlichen Krise abgeholt hat.

Wahrscheinlich wird mein Buch auch nicht attraktiv dadurch, dass ich es in kleine Textfetzen zerreiße, die ich dann in ins Web schieße. Versteht mich nicht falsch: Zitate, die auch für sich stehen können, liebe ich. Das Funkelflocken-Buch ist nicht zuletzt deshalb voll von ihnen. Ich weiß, dass ich einen Sinn für die kleinen, liebenswerten Momente habe. Ich bleibe da stehen, wo die meisten vorbei fahren. Ich habe so viele Ideen, dass ich sie nie alle verarbeiten kann.

Ich wollte zu viel

Ich wollte ein neues Social Media Konzept. Eins, mit dem ich mehr verkaufen kann. Mich fokussieren. Ich sammelte, überlegte, gestaltete. Ich hatte gute Ideen, und ich nahm fachliche Hilfe in Anspruch. Ein Grafiker, der meine Anliegen verstand, half mir, einen sehr schönen Bausatz aus Logo, Schrift und Farben zusammenzustellen. Gemeinsam mit Sören Günther entwarf ich ein Mini Corporate Design. Jedes Mal, wenn ich meine Webseite bearbeite, freue ich mich sehr darüber. Sie sieht endlich so aus, wie ich sie mir gewünscht habe. Ich gestalte sehr gerne. Auch digital. Aber in einem Punkt stoße ich immer an meine Grenzen: Ich kann nicht alte Sprüche recyceln. Ich will neu in das kreative Universum eintauchen, in dem all die schönen Sätze und Geschichten durch die Sphäre schweben, die noch aufgeschrieben werden müssen. Aber:

Ich schaffte nicht den Eintritt in die Schwerelosigkeit, die mich sonst beim Schreiben beflügelt. Der selbst auferlegte Ballast war schuld.

Mein süßes kleines Logo soll für Unbeschwertheit stehen

Ich empfand es als Versagen, dass mir die Social Media Sache durch die Lappen ging. Ich wollte doch auch meinen Verlag unterstützen und tun, was anderen scheinbar so leicht fällt: Geile, postkartenfähige Grafiken mit zeitlosen Texten in die Welt setzen, die dann tausende male geliked und geteilt werden.

Dann sprach mich jemand auf mein Buch Funkelflocken an. Die Frau hatte gerade einige Tage in der Psychiatrie verbracht. Sie kaufte ein Buch bei mir und bat mich, es „den müden Kriegern der Station“ zu widmen. Sie habe mit den Ärzten abgesprochen, dass sie es dort auslegen würde. Ihre Begründung: „Deine Sichtweise wird dort dringend gebraucht.“ 

Es ist verrückt. Ich stecke gerade selbst in einer Krise, einer regelrechten Schreibblockade sogar. Und dann sagt mir jemand sowas? Als die Haustüre zugeht, verdrücke ich einige Tränen.

Ich habe etwas über mich verstanden

Ich muss tun, was ich tun muss. Schreiben. Fotografieren. Dichten. Malen. Eine Künstlerin ist dafür da, das Schöne zu entdecken und zu zeigen.
Verkaufen kann ich leider nicht. Wenn mir etwas in meinem Buch oder in anderen meiner Werke neu wichtig wird, dann werde ich es teilen. Mit Herz und Freude am Gestalten. Sonst ist es verlorene Zeit.

Ich danke meinem Verlag und allen anderen, die mit meinen Texten arbeiten, dass Ihr mir keinen Druck macht, mich akzeptiert wie ich bin. Dass ich keine Reels und Stories produzieren muss. Dass ich nicht meistgeklickt sein muss. Dass ich meine Zeit nutzen darf, um zu tun, was mir wichtig ist. Heute ist es der Dank an euch.

Das Räuchermännchen ist fertig. Mein Kopf raucht hoffentlich noch lange weiter. 
Mein Schreibgewerbe erlaubt mir, mein Konto nebenher durch meine Texte deutlich zu füllen. Das ist noch viel Luft nach oben. Ich gestehe:
Verdient habe ich wenig in diesem Jahr. Aber ich habe sehr viel gewonnen.

(c) Ramona Eibach, www.funkelflocke.de

Danke für die Inspiration zum #jahresrückblog, Judith Peters. Das hat mir geholfen, zu verstehen, wo es bei mir geklemmt hat.

6 Antworten auf „Wenig verdient, viel gewonnen“

  1. Liebe Ramona,
    ich kann Deine Gedanken sehr gut verstehen. Mir geht es seit ein paar Tagen ähnlich. Die Luft ist raus. Ich habe keine Lust mehr auf Dinge, die „man tun sollte, um…“. Es nervt mich im Moment total. Aber es passt auch, denn ich habe sowieso vor, mehr nach Innen als nach außen zu hören und im Innen schreit jemand ganz laut: Neeein! Es ist Dein Business, Dein Blog, Dein Instagram Account und Du entscheidest, was jetzt für dich passt. Vielleicht ist es morgen anders. Oder übermorgen…

    Liebe Grüße, Marita

    1. Danke für’s Mutmachen. Ich denke, es ist wichtig, das, was man tut, aus Überzeugung zu tun. Dabei wünsche ich dir gutes Gelingen!

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