Ja, ich schreie!

Ich lebe ständig im Spagat zwischen: „Meine Kinder brauchen Hilfe“ und „meine Kinder brauchen Freizeit“. Dazu innerer Druck, das Gefühl ständig beurteilt zu werden. Menschen sprachen mich an, kritisierten meine „Ausraster“. Andere sprechen von „Unfrieden“ bei uns, der sie störe. Ja, ich gestehe es. Ich habe es nicht mehr geschafft. Ich bin ausgerastet.

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Einsiedler

Nackt. Schutzlos. Die Weite des Meeres umgibt Bernhard. Über ihm kreisen Möwen. Ängstlich schaut der Einsiedlerkrebs auf sein weiches ungeschütztes Hinterteil. Er unternimmt einen letzten Versuch. „Hey! Gib mir mein Haus zurück!“ Doch Paguru ist schon außer Sichtweite.

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Strandgut

Manchmal erzählen mir Dinge eine Geschichte. In diesem Fall suchte ich den Dialog mit Muschelschalen, die ich an der Nordsee gefunden habe. Dort, wo das Wasser den Strand berührt, empfand ich seltsam sentimental ihre wortlos erzählte Erinnerung.

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Starthilfe

Schnell raffe ich noch zwei Teile und husche zur Haustüre hinaus. Der Rest der Familie wartet im Auto. Ab in den Urlaub! Mein Mann betätigt den Anlasser. Normalerweise schüttelt sich der Motor kurz, wenn er aus dem Schlaf erwacht, schnurrt dann aber wie ein Kätzchen. Heute macht er nur noch leise „klick“. Nach mehreren Versuchen guckt mein Mann so ungläubig, wie ich mich fühle. Das Auto springt nicht an.

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Der Füller im Sauhaufen

Das Drama beginnt mit einer E-Mail. Die arglose Senderin (die Klassenlehrerin meiner Tochter) konnte nicht ahnen, was sie damit auslösen würde. Der Code zum Chaos, der Schlüssel zur Verzweiflung im Anhang. Die Material-Liste fürs nächste Schuljahr. Listen sind Lasten. Das könnte mein Motto werden, wenn sie nicht zugebenermaßen auch irgendwie sinnvoll wären. Für eine Organisationschaotin wie mich sind sie immer wieder ein Grund zur Verzweiflung.

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Mehr ist mehr

Irgendjemand muss mich eingefangen haben. Der Verdacht kommt mir, weil ich gerade freiwillig am Computer sitze. In den letzten Wochen war ich viel unterwegs. Ich habe Sport und Begegnungen mitgenommen, als gelte es, den Tank aufzufüllen. Plötzlich von der Kette gelassen, bin ich schwierig zu bändigen. Heute komme ich freiwillig zurück. Die vielen Eindrücke müssen verarbeitet werden. Meine Erkenntnis: Es muss nicht immer weniger sein.

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Trostpflaster

Mein Mama-Herz will vor dem Anblick dieser Niedlichkeit zerfließen. Wie er dasitzt und sein Leid bekundet, mir die frisch versorgte Wunde entgegenhält. Mein dreijähriger Sohn ist auf dem Rückweg vom Kindergarten gefallen und hat sich das Knie aufgeschlagen. Dieses leidende Kind ist aber so niedlich, dass ich einfach ein Foto machen muss.

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Kampftanz

Schreiben, Kunst und Sport – Das ist der Dreiklang, den ich brauche, damit ich gut funktioniere. Manchmal muss ich das eine durch das andere verarbeiten. In der vergangenen Woche musste ich mir überlegen, was Capoeira für mich bedeutet. Diese großartige Sportart habe ich im ersten Lockdown 2020 begonnen, als ich gezwungen war, auf Judo zu verzichten. Jetzt, wo sich die Türen öffnen, stellt sich für mich die Frage, wie es weitergeht.

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Spitzengespräch

Grübeln ist ein Merkmal des Lebens. Ich tue es, ich kenne andere, die dazu neigen und ich bin mir sicher, dass es auch Rosen tun. Das folgende Gespräch zwischen einer Rose und einer Biene habe ich belauscht und dokumentiert. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jedes Wort richtig wiedergebe, oder ob ich es am Ende vielleicht doch nur geträumt oder gedichtet habe. Aber als ich es durchgelesen habe, war ich erstaunt über den Tiefgang des Dialogs.

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