Starthilfe

Schnell raffe ich noch zwei Teile und husche zur Haustüre hinaus. Der Rest der Familie wartet im Auto. Ab in den Urlaub! Mein Mann betätigt den Anlasser. Normalerweise schüttelt sich der Motor kurz, wenn er aus dem Schlaf erwacht, schnurrt dann aber wie ein Kätzchen. Heute macht er nur noch leise „klick“. Nach mehreren Versuchen guckt mein Mann so ungläubig, wie ich mich fühle. Das Auto springt nicht an.

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Der Füller im Sauhaufen

Das Drama beginnt mit einer E-Mail. Die arglose Senderin (die Klassenlehrerin meiner Tochter) konnte nicht ahnen, was sie damit auslösen würde. Der Code zum Chaos, der Schlüssel zur Verzweiflung im Anhang. Die Material-Liste fürs nächste Schuljahr. Listen sind Lasten. Das könnte mein Motto werden, wenn sie nicht zugebenermaßen auch irgendwie sinnvoll wären. Für eine Organisationschaotin wie mich sind sie immer wieder ein Grund zur Verzweiflung.

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Trostpflaster

Mein Mama-Herz will vor dem Anblick dieser Niedlichkeit zerfließen. Wie er dasitzt und sein Leid bekundet, mir die frisch versorgte Wunde entgegenhält. Mein dreijähriger Sohn ist auf dem Rückweg vom Kindergarten gefallen und hat sich das Knie aufgeschlagen. Dieses leidende Kind ist aber so niedlich, dass ich einfach ein Foto machen muss.

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Mein Geheimnis

Seit 23 Jahren bin ich mit einem Mann zusammen, den ich nicht wirklich verstehe. Noch weniger verstehe ich, wie das funktioniert.
Die ganze Geschichte ist im Grunde ein Rätsel. Aber eins, in das ich mich verliebt habe. Heute, zu unserem Jahrestag, fasse ich meinen Forscherdrang in Worte. Danke für 23 Jahre, lieber Dirk!

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Party einer Mutter

Oh ja, ich habe es maßlos übertrieben. Aber ich bereue nichts! Die Idee zu diesem Gedicht ist entstanden, als ich zum ersten Mal nach zwei Wochen Quarantäne-Gedöns mit drei Kindern zu Hause wieder ins Büro durfte. Ich fühlte mich wie von der Kette gelassen. Dementsprechend ist das Gedicht geworden. Es ist auch ein Teil meiner Antwort auf die Frage: „Warum gehst du eigentlich arbeiten? Dein Mann verdient doch genug!“ Nicht alles hier ist ernst gemeint, aber es ist doch viel Wahres dran. Ich habe definitiv einen tollen Job und großartige Kollegen. Der Rest ist Satire. Oder Wunschdenken. Ich bin noch nicht sicher.

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Systemrelevant

„So ein bisschen Quarantäne ist nicht die schlimmste Sache der Welt“, habe ich noch im April 2020 voller Begeisterung mit der Band „Die Ärzte“ gesungen.
Da wusste ich noch nicht, was mir blüht. Jetzt haben wir die Light-Variante der „Absonderung“ am eigenen Leib erfahren. Light deshalb, weil die „Verdächtigen“ negativ getestet worden sind. So konnten einzelne Familienmitglieder noch das Haus verlassen. Umso härter hat mich der Bescheid des Ordnungsamtes getroffen. Bisher war ich entschlossen, die Maßnahmen der „Coronaschutzverordnung“ zu akzeptieren. Aber jetzt bringen sie mich plötzlich in Gewissensprobleme. Sie verstoßen gegen meine Überzeugungen als Mutter von drei Kindern. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Demos sind nicht mein Ding. Aber ich muss mir den Unmut von der Seele schreiben, unbequeme Fragen stellen und dichten. Die Fotos zeigen Auszüge aus dem Original-Bescheid vom 11.11.2020.

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